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SANCHON – da staunt sogar der Inder!

31 März 2011

Es war vor einem Jahr auf der größten deutschen Biomesse BIOFACH in Nürnberg. Ein Repräsentant eines indischen Feinkostherstellers probierte schweigend die indisch-thailändischen Currys und Saucen der kleinen ostwestfälischen Biomanufaktur Petersilchen.

Unter dem Namen Sanchon bot diese in bester Bioqualität alles was das Herz des Liebhabers von indisch-thailändischer Küche begehrt:

Madras, Korma, Rogan Josh, Tikka Masala, Saté Sauce. Chutneys in allen Variationen wie Mango, Apfel Curry, Mango-Limetten, Sambal Olek, Red Thai Currypaste, Green Thai Currypaste, Tandoori Currypaste, Jalfrezi Currysauce, Thai Chili Sauce, Soja-Honig-Sauce.

Der Inder zog schweigend von dannen. Die beiden Inhaber waren verunsichert. War er vielleicht entsetzt? War er enttäuscht? War es Ausdruck von Verachtung?

Keineswegs! Denn er kam am nächsten Tag wieder und teilte den Sanchon-Machern mit, dass es das Beste sei, was er je außerhalb von Indien entdeckt hätte.

Für ihn war es sicher dieselbe Fehlinterpretation der „Marke“ SANCHON, die auch mir sofort ins Auge fiel.

Die Psychologen nennen dies übrigens „kognitive Dissonanz“. Demzufolge hat ein Individuum die Tendenz, kognitive Elemente, die nicht zusammenpassen, nicht zu beachten und auszublenden, um damit die Dissonanz zu reduzieren.


Sanchon? Das kommt einem doch spanisch vor!

Was kommt einem in den Sinn? Die verrückte Geschichte des Ritters, die traurige Gestalt Don Quichote, und seinem dicken, bauernschlauen Kumpel Sancho Pansa, der in der kargen Landschaft der Mancha einen sinnlosen Kampf gegen Windmühlen kämpft.

Wie passt das mit diesen wunderbaren authentischen asiatischen Köstlichkeiten zusammen? Wie kommt man auf so einen irritierenden „spanischen“ Markenauftritt bei dieser original indisch-asiatischen Produktwelt?

Matthias Rebentisch

Christof Henne

Die beiden Sanchon-Macher Matthias Rebentisch und Christof Henne erzählen ihre wunderbare, fast naive und liebenswerte Geschichte.

Ihre ersten Produkte vor 17 Jahren waren – für damalige Verhältnisse – neuartige leckere mediterrane Tomaten-Brotaufstriche in Bioqualität mit frischen Kräutern ohne Konservierungsstoffe. Man überlegte sich einen mediterranen „Marken“-Namen.


So kam es zu Sanchon mit dem Esel

Zwei Gedanken führten zur Idee: Matthias Rebentisch liebte Spanien und die Geschichten von Cervantes. Seine große Sympathie galt dem kleinen, dicken, praktischen und mit einem gesunden Menschenverstand denkenden Sancho Pansa. Eine Seelenverwandtschaft? Er besaß zudem einen Großesel für seine Kinder, mit dem die Familie an Wochenenden in der lieblichen Landschaft rundum Extertal begeistert kutschierte.

Der Name Sancho war leider geschützt, also kam ein „n“ hintendran. Fertig war Sanchon.


Und Petersilchen?

Er stammte aus den Anfängen der Firma um 1987. Damals ein typischer Öko-Name wie Zwergenwiese, Rapunzel oder Lebensbaum. Man hat ihn bis jetzt beibehalten.

Beide Inhaber sind von Hause aus leidenschaftliche Köche mit einem Faible für die indische bzw. asiatische Küche. Die Rezepte und Zutaten lernen die beiden gelernten Köche auf ihren Reisen um die Welt kennen. Dabei schauen sie den Gastronomen fremder Länder über die Schulter, lernen verschiedene Geschmäcker und Rezepttricks kennen. Dadurch sind sie in der Lage, authentische Produkte nach möglichst originalem Rezept herzustellen. Sie fertigen ihre Produkte zu 100% selbst. Die Produkte sind biozertifiziert und erfüllen die BNN-Richtlinien.


Statt Lafer, Lichter lecker!
Rebentisch: Indisch kinderleicht lecker.

Internet-Kochshow mit Matthias Rebentisch

Wenn man Matthias Rebentisch in seiner Internet-Kochshow erlebt, weiß man, das hat nichts mit dem Medienrummel der großen Namen zu tun. Eine wohltuend ungekünstelte liebenswerte Ermutigung, selbst einmal „original indisch“ zu Hause zu kochen. Und wie leicht das geht, demonstriert er in im Handumdrehen. Unbedingt hineinschauen!


„So isst die Welt?”

Rebentisch und Henne haben eine Vision: Wir bieten Spezialitäten rund um die Welt in Bioqualität.

Die Frage ist: Ist das nicht ein bisschen viel auf einmal? Wirkt das wirklich glaubwürdig? Ist es nicht das, was große Industriemarken immer wieder eher unglaubwürdig macht? „Die kulinarische Reise um die Welt“ von Maggi, Knorr & Co? Warum nicht erst einmal Schritt für Schritt mit herausragender Klasse überzeugen? Das Potenzial für asiatischen Genuss  plus Convenience plus Bioqualität ist sicher ein erstes klares und begrenztes Kompetenz-Feld, auch außerhalb der klassischen Biofachmärkte.

Obwohl die Marke Sanchon seit 15 Jahren in Biofachmärkten angeboten wird, wird sie auf Hausmessen immer noch als Newcomer und Innovator gesehen. Das liegt auch, nach eigener Einschätzung, sicher an dem sehr unklaren und irritierenden Bild der Marke.


Meine Bewertung:

Name: Sanchon (mit Esel): leitet assoziativ in Richtung einer authentisch spanischen Herkunft. Spanien steht bei deutschen Verbrauchern aber eher für Serrano-Schinken, Paella und Tapas. Absolut keine Verbindung zu indisch-asiatischer Genusswelt, geschweige denn zu länderspezifischen Spezialitäten rund um den Globus („…so isst die Welt“).

Story: Eine wirklich bemerkenswerte Geschichte von Herzblut, Können, Ehrlichkeit und Durchbeißen. Muss auf jeden Fall erzählt werden. Dadurch hohe Sympathie garantiert!

Qualität: Zertifizierte Bioqualität und  erlebbare authentische Genussqualität (indisch-thailändische Produkte). Hoher Convenience-Nutzen, da eigene Herstellung äußerst aufwändig, ja fast unmöglich.

Auftritt: Im Regal ohne jegliche andere Kommunikation bunt und indisch, als gesamte Markenpersönlichkeit herzzerreißend unstimmig und irreführend.


Die Einordnung
(Welche Erwartung weckt bei mir spontan das Produkt?):

Die indisch-thailändischen Produkte sind typisch in ihren Signalen, wirken deshalb austauschbar bunt wie Patak’s, Bombay Authentics, Bamboo Garden.

Die Besonderheit bei Produkten dieser Art „Bio“ nimmt man fast überhaupt nicht wahr. Auch wenn die Marke nur in Biomärkten verkauft wird, müsste „Bio“ erheblich stärker herausgestellt werden.

Konsistenz: Ist der gesammelte Auftritt stimmig ohne jegliche Irritationen?

Leider nein!


MERKWÜRDIG Bewertung:

Ein wirklich tolle Story, tolle Produkte, ehrliche glaubwürdige und sympathische Macher, überzeugende Biogenuss-Produkte (indisch-asiatisch), aber viel zu viel Irritation in der Wahrnehmung, man „wirft zu viele Bälle auf einmal, die so nicht aufgefangen werden können“. Appell an die Macher: Besinnung auf das Wesentliche und dann mit Konsequenz eine eigenständige Identität aufbauen!

Warum nicht mit dem authentischen Namen eines der Macher? Zum Beispiel Rebentisch (die Bilder zu einem mit Reben gefüllten Tisch hätte sogar etwas Bacchantisch-Genussvolles!)

Kein Name für eine Marke? Denken Sie an die kreative Taschenmarke Reisenthel (wäre eine Namensagentur auf diesen Namen gekommen?) Mit Sicherheit nicht! Heute inzwischen eine wirklich im besten Sinne „merkwürdige“ Marke!

  1. März 31, 2011

    Lieber Michael,

    wieder einmal ein sehr gutes Beispiel für Entrepreneurship – was ist alles möglich und hat auch noch Erfolg!? Und hat – bei ein wenig professionellem Beistand – das Potenzial, eine große (neue) Marke unter Beibehaltung der Produktauthentizität zu werden

    Man möchte den beiden Unternehmern “gute Einsicht, das erforderliche Maß an Flexibilität und ein ‘weiterhin gutes Händchen’” für ihre dann neue Marke wünschen.

    Beste Grüße

    Kurt

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